Vitamin E erhöht das Risiko für Prostatakrebs
Aktuelle Auswertung der SELECT-Studie
11. Oktober 2011 - Aus der Traum von der einfachen Krebsprävention: Eine aktuelle Studie aus dem renommierten Journal of the American Medical Association (JAMA) zeigt: Die regelmäßige Einnahme von Vitamin E erhöht das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken.
Prostatakrebs ist die häufigste bösartige Erkrankung beim Mann. Noch vor wenigen Jahren dachten Wissenschaftler jedoch, sie könnten das ändern. Mit Vitamin E und dem Spurenelement Selen schien man günstige und harmlose Substanzen gefunden zu haben, die die Zellen vor einer Entartung schützen.
Klarheit in dieser Sache sollte schließlich die SELECT-Studie bringen, die 2001 initiiert wurde. Darin nahmen rund 35.000 Männer ab 50 Jahren regelmäßig entweder Vitamin E, Selen, die Kombination beider Substanzen oder ein Scheinmedikament (Placebo) ein. Parallel dazu unterzogen sie sich regelmäßig den üblichen Routineuntersuchungen auf Prostatakrebs.
Erste Hinweise, dass Vitamin E und Selen nicht die erwartete Wirkung haben, gab es dann bei einer Zwischenauswertung 2008. Damals deutete sich bereits an, dass die Substanzen das Krebsrisiko sogar erhöhen. Die Studienteilnehmer mussten daraufhin die Präparate absetzen, wurden aber weiter beobachtet.
Die aktuelle Auswertung beendet nun definitiv alle Hoffnungen auf eine einfache Krebsprävention. Zwischenzeitlich waren nämlich signifikant mehr Teilnehmer in der Vitamin-E-Gruppe an Prostatakrebs erkrankt als in der Placebo-Gruppe. In den beiden anderen Gruppen wurden ebenfalls vermehrt Krebsfälle beobachtet, allerdings waren die Unterschiede zur Placebo-Gruppe statistisch nicht signifikant – das heißt, sie könnten auch zufällig zustande gekommen sein.
Warum Vitamin E das Krebsrisiko erhöht ist nicht klar. Die Autoren der Studie vermuten, dass die Substanz nur in mittleren Dosen die Gesundheit fördert. Bei niedrigen Dosen drohen Mangelerscheinungen, bei hohen offenkundig Krebs. Nahrungsergänzungsmittel mögen daher vergleichsweise günstig sein, harmlos sind sie deswegen noch lange nicht.
Quelle: Klein EA et al. JAMA 2011;306(14):1549-1556